Neben der Einteilung von Fetten in gesättigt und ungesättigt können Fette auch anhand ihrer Länge, also anhand der Größe eines einzelnen Fettmoleküls, eingeteilt werden. So wie bei Kohlenhydraten spielt die Länge der Fettsäurekette ebenfalls eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel. Und ganz genau wie bei Kohlenhydraten als Energielieferant gilt auch für Fette als Energielieferant: Eine Kalorie ist für den Stoffwechsel NICHT gleich eine Kalorie! Oder besser ausgedrückt: Es kommt viel mehr darauf an, in Form welcher Nahrungsmittel und in welcher Zusammenstellung von Nahrungsmitteln wir die Kalorie(n) zu uns nehmen.

  • Der Kaloriengehalt von Nahrungsmitteln besagt, wie viel fühlbare Wärme beim Verbrennen dieses Nahrungsmittels frei wird. Der Stoffwechsel verfügt über weit mehr und weit komplexere Umwandlungswege, als nur die Verbrennung. Der Kaloriengehalt ist also nur bedingt vergleichbar mit der Energiemenge, die durch die Verstoffwechselung eines bestimmten Nahrungsmittels zur Verfügung steht.

Inwiefern dies speziell für Fette zutrifft, ist am besten zu verstehen, wenn man betrachtet, was der Körper mit Fetten anstellt.

Speicherfette als “Dreier-Einheiten”

Wenn wir Fette zu uns nehmen, beispielsweise als pflanzliches Öl im Salatdressing, in Butter und Käse oder in Fleisch und Fisch, dann führen wir unserem Körper nicht einfach Fettsäuren zu, so wie sie in der Abbildung aus dem ersten Teil zu sehen sind. Meistens sind in den Lebensmitteln drei Fettsäureketten an einem Ende zu einem Triacylglycerid „zusammengebunden“. Sowohl in Tieren als auch in Pflanzen liegen Speicherfette größtenteils in diesen „Dreier-Einheiten“ vor.

Drei Fettsäuren sind zu einem Triacylglycerid zusammengefasst

Drei Fettsäuren sind zu einem Triacylglycerid zusammengefasst

Das ist von großer Bedeutung für unseren Fettstoffwechsel. Die verzehrten Triacylglyceride werden im Dünndarm mithilfe von Enzymen der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase in einzelne Fettsäuren gespalten. Erst dann können diese durch die Darmwand aufgenommen werden. An diesem Punkt unterscheidet unser Körper bereits anhand der Länge der Fettsäuren, wie er weiter mit ihnen verfährt.

Die längeren Fettsäuren (long-chain fatty acids, LCFA) sind aufgrund ihrer Größe sehr schlecht wasserlöslich und können ohne Verpackung nicht transportiert werden. Sie werden als einfache Fettsäuren nach der Spaltung der Triacylglyceride von der Dünndarmwand aufgenommen und danach wieder zu Triacylglyceriden zusammengebunden. Das funktioniert nur so kompliziert, weil die Triacylglyceride als Ganzes zu groß für die Aufnahme in die Zellen des Dünndarms sind.

Mehrere von diesen wieder aufgebauten Triacylglyceriden werden in den Zellen des Dünndarms zu „Päckchen“ verpackt. Diese heißen Chylomikrone oder Lipoproteine. Die Lipoproteine transportieren die Triacylglyceride und übrigens auch Cholesterin zu Muskelzellen und zu Fettzellen. Wenn sie ihre Zielzellen erreicht haben, werden die Päckchen erst einmal geleert.

Die kürzeren mittelkettigen Fettsäuren (medium-chain fatty acids, MCFA) können ohne Verpackung in Päckchen im Blut transportiert werden. Sie werden auch nicht wieder zu Triacylglyceriden zusammengebunden und der Körper kann sich die aufwändigen Verpackungsschritte ersparen. Mittelkettige Fettsäuren werden über das Pfortadersystem zunächst direkt zur Leber geleitet.

Mittelkettige Fettsäuren (MCFAs) sind kürzer als langkettige Fettsäuren (LCFAs)

Mittelkettige Fettsäuren (MCFAs) sind kürzer als langkettige Fettsäuren (LCFAs)

Während langkettige Fettsäuren in nahezu allen pflanzlichen und tierischen Fetten den Löwenanteil ausmachen, ist finden sich mittelkettige Fettsäuren in geringen Mengen in Milch, in relevant hohen Mengen jedoch vor allem in Kokosöl.

Bevor wir uns jetzt darum kümmern, wie Leber und andere Zellen Fett als Energielieferant nutzen können, ist es wichtig, festzuhalten:

  • Die Aufnahme langkettiger Fettsäuren ist relativ kompliziert. Sie werden nach Aufnahme zuerst ins Gewebe transportiert. Meist geht damit die Einlagerung der Fette als Speicherfette einher!
  • Mittelkettige Fettsäuren werden einfacher aus der Nahrung über den Dünndarm aufgenommen. Sie werden dann direkt im Blut zur Leber transportiert. Mittelkettige Fettsäuren bieten im Vergleich zu langkettigen eine viel zügigere Energiebereitstellung.Sie werden zudem größtenteils nicht als Speicherfette

Den Abbau von Fettsäuren, um Energie für die Muskeln, das Gehirn (!) und andere Organe bereitstellen zu können, nennt man „Beta-Oxidation“. Bei der Beta-Oxidation werden die Fettsäuren abgebaut und zugleich die körpereigene „Energiewährung“ ATP gebildet. Beim Abbau werden die Fettsäure-Ketten zerkleinert, und zwar hauptsächlich in kleinere Moleküle namens „Acetyl-CoA“. Für die Zellen unseres Körpers spielt die Länge der Fettsäure hier auch wieder eine entscheidende Rolle: Mittelkettige Fettsäuren werden schneller und einfacher in die Zellen aufgenommen, gelangen leichter zu dem Ort in der Zelle, wo sie abgebaut werden und werden dort auch leichter abgebaut.

Einen weiteren Unterschied zwischen MCFAs und LCFAs wird deutlich, wenn durch die Kombination unserer Nahrungsmittel gleichzeitig Kohlenhydrate und Fette verstoffwechselt werden müssen. Bei einer Kombination aus Kohlenhydraten und LCFAs werden die LCFAs zunächst einmal eingelagert. Denn mit langkettigen Fettsäuren in Lipoproteinen und einem gleichzeitig durch Kohlenhydrat-Verzehr gesteigerten Blutzuckerspiegel kommt unser Körper einfach nicht gut zurecht. Da ist es am einfachsten, erst einmal das Fett zu speichern.

Die Reduktion des Blutzuckerspiegels hat Vorrang!

MCFAs können hingegen gleichzeitig mit Kohlenhydraten verstoffwechselt werden. Im Blut befinden sich dann sowohl Zucker als auch die MCFAs. In der Leber werden MCFAs auch in Gegenwart von „schneller Energie“ aus Kohlenhydraten bis Acetyl-CoA abgebaut und dann in Ketone umgewandelt. In Form von Ketonen steht allen Körperzellen Energie zur Verfügung. Manche Zellen mögen Ketone sogar lieber.

Das heißt im Klartext: Im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren landen mittelkettige Fettsäuren auch bei gleichzeitigem Verzehr von Kohlenhydraten nicht im Speicherfett.

Tatsächlich gibt es einige Studien, die aufgezeigt haben, dass durch mehr mittelkettige als langkettige Fettsäuren in der Nahrung zum einen ein besseres Sättigungsgefühl erhalten und zum anderen der Grundumsatz gesteigert wird. Letzteres liegt daran, dass mehr Thermogenese betrieben wird. Das heißt, der Körper verbraucht mehr Energie und erzeugt mehr Wärme. MCFAs beschleunigen und motivieren also unseren Stoffwechsel zum Fettabbau. Probanden, die mehr mittelkettige als langkettige Fettsäuren zu sich nahmen, hatten am Ende der Studienzeit auch weniger Fettpölsterchen im und am Oberkörper (z.B. das gefürchtete „Viszeral-Fett“). Eine weitere erfreuliche Beobachtung war auch eine gesteigerte Sensitivität für Insulin – als ein Trend, der zum Beispiel Typ II Diabetes entgegenwirken könnte.

Im Sinne einer kontroversen Betrachtungsweise möchte ich zu guter Letzt ein großes „ACHTUNG“ aussprechen:

Es klingt reizvoll, dass MCFAs im Gegensatz zu LCFAs nicht gezwungenermaßen im Fettgewebe deponiert werden müssen, wenn wir sie mit Kohlenhydraten kombinieren.

Trotzdem gilt: Wenn unserem Körper zu viel Energie zur Verfügung steht, und sei es auch in Form von MCFAs und Kohlenhydraten, dann macht er damit das aus evolutionärer Sicht einzig sinnvolle: Er speichert!Und natürlich speichert er ganz besonders viel, wenn die Energie aus Kohlenhydraten ganz besonders schnell zur Verfügung ist. Zum Beispiel nach Verzehr von Weißmehlprodukten und Zucker.

Die Vorzüge von mittelkettigen Fettsäuren liegen in meinen Augen woanders:

Neben der besonders schnellen und trotzdem Insulin-unabhängigen Bereitstellung von Energie für ALLE Körperzellen heizen MCFAs wie bereits gesagt auch den Stoffwechsel an.

Fernab von Überlegungen zum Grundumsatz und Kaloriendefiziten können MCFAs so unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern und dazu beitragen, dass wir uns fitter, wacher und stärker fühlen.

 

Quellen:

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Marie-Pierre St-Onge, Aubrey Bosarge (2008): Weight-loss diet that includes consumption of medium-chain triacylglycerol oil leads to a greater rate of weight and fat mass loss than does olive oil. American Journal for Clinical Nutrition, 2008;87(3):621-626;

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Tosiaki Aoyama, Naohisa Nosaka, Michio Kasai (2007): Research on the nutritional characteristics of medium-chain fatty acids.The Journal of Medical Investigation, 2007(54);

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